Bei einem Naturalrabatt wird der Vorteil nicht als Preisnachlass gewährt, sondern als zusätzliche Ware - zum Beispiel "10 gekauft, 1 gratis". Das System prüft dazu bei einem Verkaufsauftrag, ob die hinterlegten Naturalrabattdefinitionen erfüllt sind, und stellt die Beigabe als eigene Position mit dem Wert 0 in den Vorgang ein.
Eine zusammenhängende Anleitung zur Einrichtung und Nutzung finden Sie im Handbuch Naturalrabatte unter den Handbüchern Organisation. Die folgenden Abschnitte fassen die Funktionsweise zusammen.
Voraussetzungen
Die Lizenz "vk-naturalrabatte" muss vorhanden sein. Ohne sie sind alle Funktionen rund um Naturalrabatte abgeschaltet.
Im Programm "Parameter Naturalrabatte" muss die Zu-/Abschlagsart eingetragen sein, mit der die Beigabe kostenlos gestellt wird. Fehlt sie, wird die Verarbeitung mit einer Meldung abgebrochen.
Beteiligte Programme
Naturalrabattdefinitionen: Definitionen suchen, anlegen und ändern.
Parameter Naturalrabatte: globale Einstellungen, derzeit die Zu-/Abschlagsart für Beigabepositionen.
Naturalrabattzuordnung: wird aus der Auftragserfassung aufgerufen und zeigt, welche Naturalrabatte für den Vorgang anwendbar und welche bereits gewährt sind.
Beigabeauswahl: erscheint, sobald eine Definition mehrere Beigabeartikel zur Wahl stellt.
Aufbau einer Definition
Eine Definition beschreibt, unter welcher Bedingung welche Beigabe gewährt wird:
Kriterium: "Vorgang" prüft alle Positionen der Artikelselektion gemeinsam und ergibt höchstens einen Naturalrabatt. "Bestellartikel" prüft je Bestellartikel getrennt und kann mehrere Naturalrabatte ergeben.
Quantität und Kriterium Quantität: woran die Bedingung gemessen wird - Menge, Wert oder Staffelmenge - und welcher Wert dafür erreicht sein muss.
Menge und Maximale Menge: wie viel beigegeben wird und wo die Obergrenze liegt.
Beigabeartikel: entweder ist der Bestellartikel selbst die Beigabe, oder die Beigabedefinitionen der Definition legen fest, welche Artikel in welcher Menge beigegeben werden.
Gültig ab / Gültig bis, Status und Erfassungsart: wann die Definition greift, ob sie verwendbar ist und ob sie automatisch oder nur manuell vergeben wird.
Wie die Beigabemenge ermittelt wird
Menge und Wert: die Beigabemenge ist fest. Sie steigt nicht, wenn die Bedingung mehrfach überschritten wird.
Staffelmenge: die Beigabemenge wird je vollem Vielfachen der Kriteriumsmenge gewährt. Beispiel: Kriteriumsmenge 10, Menge 1, bestellt werden 25 - beigegeben werden 2.
Die maximale Menge begrenzt das Ergebnis. Der Wert 0 bedeutet, dass es keine Obergrenze gibt.
Artikelselektion und Naturalrabattgruppe
Die Artikelselektion einer Definition begrenzt, welche Positionen überhaupt betrachtet werden. Diese Positionen bilden die Naturalrabattgruppe: sie sind die Basis für die Bedingung und für die Prüfung auf Zu-/Abschläge. Ist keine Artikelselektion angegeben, gilt der gesamte Vorgang als Gruppe.
Zu beachten: Eine Artikelselektion, die keinen einzigen Artikel liefert, wirkt wie eine fehlende Selektion - die Definition gilt dann für alle Artikel des Vorgangs. Eine leerlaufende Selektion schränkt den Naturalrabatt also nicht ein, sondern weitet ihn aus.
Gruppe und Priorität
Über den Gruppenbegriff werden Definitionen zusammengefasst, die einander ausschließen sollen. Treffen mehrere Definitionen mit demselben Gruppenbegriff auf genau dieselben Positionen zu, wird nur eine gewährt: die mit der höchsten Priorität, also dem niedrigsten Wert im Feld Priorität. Bei gleicher Priorität entscheidet die niedrigere Nummer der Definition.
Stützen sich die Definitionen nicht auf genau dieselben Positionen, schließen sie sich nicht aus und werden beide gewährt. Eine einzige abweichende Position genügt dafür - es kommt nicht darauf an, ob sich die Positionen überschneiden. Ohne Gruppenbegriff wird nicht gruppiert.
Prüfung auf Zu-/Abschläge
Über die Rabattprüfung wird gesteuert, ob Positionen, die schon einen Zu-/Abschlag erhalten haben, zusätzlich einen Naturalrabatt auslösen dürfen:
Positionen mit Zu-/Abschlag ignorieren, Kriterium Vorgang: trägt eine Position innerhalb der Gruppe einen Zu-/Abschlag, wird der Naturalrabatt für den gesamten Vorgang nicht gewährt. Zu-/Abschläge an Positionen außerhalb der Gruppe sind ohne Bedeutung.
Positionen mit Zu-/Abschlag ignorieren, Kriterium Bestellartikel: die betroffene Position zählt nicht zur Basis, die übrigen Positionen können den Naturalrabatt weiterhin auslösen.
Wo Naturalrabatte entstehen
Auftragserfassung: Definitionen mit der Erfassungsart "automatisch" stellt das System selbst ein. Manuelle Definitionen werden über die Naturalrabattzuordnung gewährt.
Auftragsimport: eine importierte Position kann als Beigabe gekennzeichnet und einer Definition zugeordnet werden. Automatische Naturalrabatte bildet der Import selbst. Lässt sich eine Beigabe nicht zuordnen oder ist eine Beigabeauswahl erforderlich, wird der Vorgang zur Nacharbeit in der Auftragserfassung vorgemerkt.
Angebundene Shopsysteme: beim Prüfen eines Auftrags über die Auftragsverarbeitung werden die anwendbaren manuellen Naturalrabatte zurückgemeldet; der Shop übergibt die gewählte Beigabe anschließend als gekennzeichnete Position. Automatische Naturalrabatte stellt das ERP-System selbst ein. Über den Dienst Naturalrabatte lassen sich zusätzlich die für einen Artikel möglichen Naturalrabatte und die hinterlegten Definitionen abfragen.
Wann kein Naturalrabatt gewährt wird
Der Vorgang ist kein Verkaufsauftrag oder keine Rechnung - für Gutschriften gibt es keine Naturalrabatte.
Die Auftragsart ist eine andere als Sofortauftrag, Terminauftrag, Rahmenauftrag oder Angebot/Anfrage.
Im Vorgang ist die Naturalrabattsperre gesetzt. Sie verhindert neue Naturalrabatte; bereits gewährte lassen sich weiterhin entfernen.
Die Definition ist gesperrt oder löschfähig, oder das Auftragsdatum liegt außerhalb ihres Gültigkeitszeitraums.
Als Basis kommen keine Textartikelpositionen und keine vollständig resterledigten Positionen in Betracht.
Die Beigabeposition im Vorgang
Die Beigabe wird als eigene Vorgangsposition mit der ermittelten Menge und dem Wert 0 geführt. Ermittelt die Preisfindung für den Beigabeartikel einen Einzelpreis, bleibt dieser stehen, und ein Zu-/Abschlag von -100 Prozent stellt die Position kostenlos - der Warenwert der Beigabe bleibt damit im Beleg sichtbar. Andernfalls wird die Position mit dem Preis 0 als Gesamtpreis geführt. Bearbeitungszuschläge werden für Beigabepositionen nicht berechnet.
Sind an der Position bereits alle Plätze für Zu-/Abschläge belegt, kann die Beigabe nicht kostenlos gestellt werden; die Verarbeitung wird mit der Meldung "Keine freien Zu-/Abschläge mehr vorhanden" abgebrochen.
Zur Lieferung freigegeben bleiben kann eine Beigabeposition erst, wenn jede Position, aus der sie hervorgegangen ist, entweder freigegeben und vollständig zugeteilt oder bereits erledigt ist, also keine Restmenge mehr hat. Eine Freigabe, die diese Bedingung nicht erfüllt, wird bei der nächsten Prüfung des Vorgangs und in der Lieferfreigabe wieder zurückgenommen.
Änderungen am Vorgang
Werden Positionen geändert oder gelöscht, prüft das System die vorhandenen Naturalrabatte erneut. Abweichende Beigabemengen werden selbständig korrigiert, solange die Beigabeposition dafür noch änderbar ist. Ist ein Naturalrabatt nicht mehr anwendbar oder muss eine Beigabe neu gewählt werden, ruft die Auftragserfassung die Naturalrabattzuordnung zur Nacharbeit auf.
Abgrenzung zum Kennzeichen "Naturalrabatt" im EDI-Auftragseingang
Im EDI-Auftragseingang gibt es ein gleichnamiges, aber eigenständiges Kennzeichen. Es stellt eine importierte Auftragsposition kostenlos, wenn die übermittelte Gratismenge der Bestellmenge entspricht. Mit den hier beschriebenen Naturalrabattdefinitionen hat es nichts zu tun: es gibt dort keine Beigabeartikel, keine Gruppen, keine Prioritäten und keine Prüfung gegen den Vorgang. Über den EDI-Auftragseingang werden auch keine Naturalrabatte aus Definitionen gebildet.